Was 1776 als Waisenhaus begann, ist heute eine moderne Jugendhilfeorganisation mit vielfältigen (Hilfe-) Angeboten für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien. Wir freuen uns auf ein umfangreiches und vielfältiges Jubiläumsprogramm: Auftaktveranstaltung mit...
Auftakt ins Jubiläumsjahr: 250 Jahre Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen
Mit einem festlichen Gottesdienst in der Bauernkirche Iserlohn, der anschließenden Eröffnung einer Sonderausstellung im Stadtmuseum sowie einem Get-Together im Lutherhaus ist am 16. Januar 2026 das Jubiläumsjahr zum 250-jährigen Bestehen der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen (EJH) feierlich eröffnet worden. Rund 180 Gäste aus Kirche, Politik, Stadtgesellschaft sowie Mitarbeitende, Ehemalige und Wegbegleiter:innen nahmen an den Veranstaltungen teil. Die EJH geht auf das 1776 gegründete evangelische Waisenhaus zurück und ist damit die wohl älteste diakonische Einrichtung dieser Art in Deutschland.
Der Festgottesdienst wurde von Schüler:innen des Friederike-Fliedner Berufskollegs mitgestaltet und stand unter dem Leitmotiv der Wüstenwanderung – als Sinnbild für Lebenswege mit Brüchen, Hoffnungen und der Suche nach Orientierung. Musikalisch gestaltet von Simon Dunger und Mareike Bader (Stiftung Creative Kirche) verband der Gottesdienst moderne geistliche Lieder, biblische Texte und kreative Elemente. In seiner Predigt betonte Matthias Börner, theologischer Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, dass 250 Jahre Jugendhilfe auch 250 Jahre Geschichten von jungen Menschen seien, die Schutz, Halt und neue Perspektiven gefunden haben – aber ebenso eine Geschichte, die schmerzhafte Kapitel kennt. Er sprach offen über Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt in der Vergangenheit und machte deutlich: „Wir sind unserem Schutzauftrag nicht immer gerecht geworden.“ Die bewusste Auseinandersetzung mit diesem Teil der Geschichte und die Unterstützung Betroffener sind fester Bestandteil des Jubiläumsjahres.
Eine szenische Lesung, ein begehbarer Mittelgang als „Wüstenweg“ sowie von jungen Menschen gestaltete Fürbitten machten deutlich, was die Evangelische Jugendhilfe seit 250 Jahren prägt: der Wille, jungen Menschen ein Zuhause zu geben, sie zu schützen und zu stärken – auch vor dem Hintergrund sich wandelnder pädagogischer und gesellschaftlicher Vorstellungen von Kinderrechten, Teilhabe und Partizipation.
In einem kurzen Interview dankte Reinhard Meng, Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen, den engagierten Mitarbeiter:innen der EJH sowie Dr. Sandra Hertel vom Stadtmuseum Iserlohn. Zugleich schlug er den Bogen von der Geschichte in die Zukunft: „250 Jahre Jugendhilfe bedeuten 250 Jahre Lernen, Verantwortung und Weiterentwicklung. Die Konstante ist der Anspruch, jungen Menschen einen sicheren Ort und verlässliche Begleitung zu bieten.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde im Stadtmuseum Iserlohn die Sonderausstellung „Vom Waisenhaus zur Jugendhilfe – 250 Jahre Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen“ eröffnet. Sie basiert auf einer umfangreichen historischen Chronik und zeichnet die Entwicklung von den Anfängen des Waisenhauses bis zur heutigen modernen Jugendhilfe nach. Historische Dokumente, Fotografien, Objekte und Zeitzeugenberichte ordnen die Geschichte in Stadt-, Diakonie- und Sozialgeschichte ein. Die Ausstellung ist bis zum 14. Juni 2026 zu sehen.
Den Abschluss des Auftakttages bildete ein Get-Together im Lutherhaus, bei dem Mitarbeitende, ehemalige Bewohner:innen, Wegbegleiter:innen, Kooperationspartner sowie Gäste aus Kirche, Politik und Stadtgesellschaft miteinander ins Gespräch kamen.
Mit diesem Tag ist der Startschuss für ein vielfältiges Jubiläumsjahr gefallen, das Geschichte würdigt, Verantwortung ernst nimmt und den Blick auf die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe richtet. Weitere Informationen, Termine und Hintergründe – auch zur Aufarbeitung von Gewalt und zu Unterstützungsangeboten – finden sich unter www.250jahre-ejh.de
Bildzeile: Auftakt ins Jubiläumsjahr „250 Jahre Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen“: Beim Festgottesdienst in der Bauernkirche Iserlohn kamen unter anderem Vertreter:innen aus Kirche, Politik und Diakonie zusammen. Auf dem Gruppenfoto v. l. n. r.: Vanessa Simon (EJH/Regionalleitung Hagen), Viola Endruschat (EJH/Regionalleitung Iserlohn), Martina Soddemann (Stadt Hagen, Vorstandsbereich 3: Bildung/Jugend und Soziales/Kultur), Dennis Rehbein (Oberbürgermeister Stadt Hagen), Reinhard Meng (Geschäftsführung EJH), Jennifer Salzmann-Vogt (Ressortleitung Generationen und Soziales Stadt Iserlohn), Michael Joithe (Bürgermeister Stadt Iserlohn), Dr. Sandra Hertel (Leiterin Stadtmuseum Iserlohn), Stefanie Eltermann (Öffentlichkeitsarbeit EJH), Pfr. Matthias Börner (Geschäftsführung Diakonie Mark-Ruhr) und Volker Holländer (Geschäftsführung Diakonie Mark-Ruhr).
